Demokratiekonferenz

Bunt ist keine Farbe,
bunt ist das Leben!

"Die Koordinierungs- und Fachstelle sowie das Federführende Amt laden gemeinsam mindestens einmal im Jahr alle relevanten zivilgesellschaftlichen Akteur*innen, Organisationen vor Ort und Verantwortliche aus Politik und Verwaltung zu einem Arbeitstreffen („Demokratiekonferenz“) ein. Das gewählte Format dient dazu, Stand, Ziele und Ausrichtung der weiteren Arbeit in der „Partnerschaft für Demokratie“ partizipativ zu reflektieren. Die Umsetzung des zu erarbeitenden Konzepts soll durch Beschlüsse der gewählten Kreis- oder Gemeindevertretungen unterstützt werden." (Grundsätze der Förderung Bundesprogramm Demokratie leben!)

Die Abschlussdokumentation Demokratiekonferenz 2019 finden Sie hier

Demokratiekonferenz 2021 der Partnerschaft für Demokratie „Denk bunt im Wartburgkreis“


Unterwegs auf den Spuren jüdischen Lebens im südlichen Wartburgkreis – Demokratiekonferenz 2021 in Geisa und Schweina umgesetzt

Wartburgkreis. Vom frühen Nachmittag bis in die Abendstunden ist am 7. Oktober die Demokratiekonferenz der Partnerschaft an mehreren Orten umgesetzt worden.

Den Startpunkt setzte um 13 Uhr der Demokratiebus am Bahnhof in Bad Salzungen. Nach einleitenden Worten von Simon Ortner (externer Koordinator der Partnerschaft für Demokratie) und Stefanie Kosmalski (900 Jahre jüdisches Leben in Thüringen / Kulturrat Thüringen) referierte Klaus Schmidt aus Barchfeld in einem kurzweiligen und mit Anekdoten gespickten Vortrag aus seiner jahrzehntelangen Forschung zu jüdischem Leben im Wartburgkreis. Letztlich seien die zahlreichen jüdischen Friedhöfe in der Wartburgregion Zeugnis dieses interreligiösen Zusammenlebens.

Das Kulturhaus Geisa bildete die erste Station der Reise. Landrat Reinhard Krebs, Staatssekretärin Dr. Julia Heesen des Thüringer Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport und Bürgermeisterin Manuela Henkel eröffneten die Konferenz und fanden mahnende Worte angesichts der Dichte jüngster antisemitischer Vorfälle aber insistierten auch Mut und Fruchtbarkeit aus dem jüdischen Zusammenleben und der jüdischen Kultur in der Region zu ziehen und dies Weiterzutragen.

Mit einer Begriffsklärung von modernem Antisemitismus erläuterte Dr. Anja Thiele Kontextbedingung des gegenwärtigen Antisemitismus in Thüringen. Ihr Kollege Joël Ben-Yehoshua stellte nachfolgend die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus RIAS Thüringen vor und wies dabei besonders auf die Meldemöglichkeit antisemitischer Vorfälle hin welche auch anonym getätigt werden kann. Ziel ist es, Antisemitismus in Thüringen wissenschaftlich zu erfassen, darüber zu informieren und die Perspektiven der Betroffenen zu stärken.

Nach der anschließenden Diskussion und einer kurzen Stärkung mit Kaffee und Kuchen begann die Stadtführung unter Leitung von Astrid Weimann-Heim durch das jüdische Geisa mit Besichtigung der Ausstellung „Sterne von Geisa“ in der Deschauer Galerie.

Anschließend ging es mit dem Demokratiebus zur Jugendkunstschule in Schweina. Begrüßt wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Bürgermeister Dr. Michael Brodführer und der künstlerischen Leitung der Kinder- und Jugendkunstschule Bea Berthold, die direkt in die Projektvorstellung „Jüdisches Leben in Bad Liebenstein - eine Spurensuche" überleitete. Tim Zeidler und Wolfgang Malek stellten anhand von Zeitzeugenvideos drei unterschiedliche Biographien von jüdischen Bürgerinnen aus Bad Liebenstein vor.

Während des lockeren Abendessens bei musikalischer Umrahmung durch Bastian Coburger konnte die Fotoausstellung über jüdische Friedhöfe von Markus Schäfer besichtigt werden und es gab Gelegenheit zum Austausch.

In der Abschlussrunde, bei der Bilder des Tages präsentiert wurden, konnten bereits erste Ausblicke für die Konferenz 2022 gesammelt werden. Thematisch wären hier „Möglichkeiten für eine gelingende kommunale Dialog- und Beteiligungskultur“ als Konferenz denkbar.

„Insgesamt war die Veranstaltung ein voller Erfolg“ resümieren Kevin Rodeck und Simon Ortner, die Koordinatoren des Förderprogrammes. Die Partnerschaft für Demokratie „Denk bunt im Wartburgkreis“ bedankt sich bei allen Kooperations- und Netzwerkpartner, die diese Konferenz ermöglicht haben und bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Demokratiekonferenz 2021.

Zum Bus: Der Demokratiebus wurde über einen Aufruf an die insgesamt sechs „Schulen gegen Rassismus – Schulen für Courage“ aus dem Wartburgkreis mit Gestaltungsentwürfe und individuellen Ideen und Botschaften zu Demokratie und Courage entworfen. Der Demokratiebus wird im Anschluss im Linienverkehr bis voraussichtlich 2024 eingesetzt. Eine offizielle Einweihung mit Schülerinnen und Schülern erfolgt im November.

Die Demokratiekonferenz und die Lokale Partnerschaft wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des Thüringer Landesprogramms für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit „Denk bunt“ durch das Thüringer Landesministerium für Jugend, Bildung und Sport gefördert.

Nähere Informationen sind unter www.demokratie-leben.de bzw. www.denkbunt-thueringen.de/ erhältlich. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich für Fragen, Anregungen oder Projektvorhaben gerne an denkbunt@wartburgkreis.de wenden.

7. Oktober 2021

PROGRAMM

Moderation: Stefanie Kosmalski (Kulturrat Thüringen e.V. | 900 Jahre jüdische Geschichte(n) in Thüringen)

Ort:                 Bahnhof Bad Salzungen

13:00 Uhr:     Start Demokratiebus am Busbahnhof Bad Salzungen nach Geisa

                       Unterwegs: Informationen zum jüdischen Leben im Wartburgkreis von Klaus Schmidt

Ort:                 Kulturhaus Geisa | Bahnhofstraße 8 | 36419 Geisa

14:00 Uhr:     Auftakt in Geisa Eröffnung Demokratiekonferenz

Grußworte:    Landrat Reinhard Krebs

                       Staatssekretärin Dr. Julia Heesen TMBJS

                       Bürgermeisterin Geisa Manuela Henkel

Impulsreferat mit anschließender Diskussion: Antisemitismus in Thüringen:

Dr. Anja Thiele & Joël Ben-Yehoshua (RIAS Thüringen –  Recherche- und Informationsstelle | Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft Jena)

15:30 Uhr:     Kaffee und Kuchen

16:00 Uhr:     Stadtführung zum jüdischen Leben in Geisa mit Besichtigung der Ausstellung „Die Sterne von Geisa“ von Dikla Stern 

                       Stadtführerin: Astrid Weimann-Heim

17:00 Uhr:     Weiterfahrt ab Schlossplatz Geisa nach Bad LiebensteinOT Schweina

                       Unterwegs: moderierte Diskussionsrunde und Erfahrungsaustausch im Bus

Ort:                 Kinder- und Jugendkunstschule Wartburgkreis e.V. | Salzunger Str. 6 | 36448 Bad Liebenstein OT Schweina

18:00 Uhr:    Konferenzteil in Bad Liebenstein OT Schweina

 Begrüßung:   Bürgermeister Dr. Michael Brodführer

                       Bea Berthold (Kinder- und Jugendkunstschule)

 Vorstellung des Projektes „Jüdisches Leben in Bad Liebenstein“ der Natur- und Heimatfreunde Bad Liebenstein mit Zeitzeugenvideos und Besprechung.

 Wolfgang Malek & Tim Zeidler (Geschichtswerkstatt Bad Liebenstein)

19:00 Uhr:     Abendessen mit musikalischer Gestaltung von Bastian Coburger

Infotafeln zu Projekten der Partnerschaft für Demokratie „Denk Bunt im Wartburgkreis“

Fotoausstellung zu jüdischen Friedhöfen im Wartburgkreis „Erinnerung an die zwölf Stämme Israels“ von Markus Schäfer (Leiter VHS Wartburgkreis)

19:30 Uhr:     Abschlussdiskussion und Ausklang

21:00 Uhr:     Rückfahrt nach Bad Salzungen

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Die Teilnahme an der diesjährigen Demokratiekonferenz ist auf verschiedenen Wegen möglich:

1. Einen Platz in unserem Demokratiebus reservieren und die gesamte Zeit mit uns unterwegs sein. Die Zahl der Plätze ist begrenzt.

2. Individuelle Anreise direkt zu unseren Zwischenstopps.

3. Spezifische Teilnahme an der Demokratiekonferenz, z.B. Impulsvortrag um 14.00 Uhr in Geisa oder Projektvorstellung um 18.00 Uhr in Schweina.

Für die Teilnahme ist eine Anmeldung zwingend erforderlich.

Bitte beachten Sie die geltenden Corona-Hygienevorschriften.

Bildnachweise:

links: Thiele, Anja/Ben-Yehoshua, Joël (2020): Antisemitismus in Thüringen. Erste Erkenntnisse der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Thüringen (RIAS Thüringen). In: Instititut für Demokratie und Zivilgesellschaft [Hrsg.]: Wissen schafft Demokratie. Schwerpunkt Antisemitismus, Band 8 Jena, S.128.

rechts: Trophy, Acryl auf Leinwand | Mixed Media, 2019/20 © Dikla Stern / VG Bild-Kunst, Bonn 2021

 

„Demokratie ist eine immerwährende Großbaustelle“ - Demokratiekonferenz 2020 in Gerstungen

Wartburgkreis. Gerstungen. „Vigilantismus-Selbstbewaffnung-Bedrohung von politisch Engagierten und Mandatsträger*innen“ war das Thema der diesjährigen Demokratiekonferenz. Veranstaltet wurde diese im Bürgersaal „Zum Rautenkranz“ Gerstungen am 5. September. Dazu hatte die Partnerschaft für Demokratie „Denk bunt im Wartburgkreis“ ein hochkarätiges Podium mit Referenten aus Wissenschaft, Sicherheitsbehörden und Behörden organisiert. Eingeladen waren lokale Akteure der Zivilgesellschaft, engagierte Vereine und Verbände, Einzelpersonen, Vertreter*innen aus Kommunal- und Landespolitik und Personen aus den Bereichen Bildung und Jugendarbeit. Der Einladung folgten rund 70 Personen.

Der Landrat des Wartburgkreises, Reinhard Krebs, eröffnete die Demokratiekonferenz. In seiner Eröffnungsrede betonte er, „die Demokratie ist eine immerwährende Großbaustelle“ und bedarf einer stetigen intensiven Arbeit. Weiter sagte er, „wenn alle eingeschüchtert werden und Angst davor haben, ein Mandat zu übernehmen, haben wir verloren“.  Es folgten Grußworte von der Bürgermeisterin der Gemeinde Gerstungen, Sylvia Hartung und dem Referatsleiter „Demokratieförderung“ im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Thomas Heppener. „Wir unterstützen, damit Sie nicht Mut und Kraft verlieren“, denn „Hass darf nicht Engagement zersetzen“, so Heppener..

Anschließend referierten der Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes, Stephan J. Kramer, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei Thüringen, Kai Christ und der Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft Jena, Dr. Matthias Quent zum Thema der Demokratiekonferenz.

Stephan Kramer erläuterte, dass sich die Angriffe auf Mandatsträger und Mandatsträgerinnen von 2018 zu 2019 nahezu verdoppelt haben. Ebenso sei die extrem nach oben geschnellte Zahl der Besitzer von kleinen Waffenscheinen besorgniserregend. Kai Christ erläuterte, dass das Sicherheitsgefühl aufgrund von zu wenig Stellen im Polizeidienst, insbesondere im ländlichen Raum, abgenommen hat. Bürgerwehren und ähnliche Gruppierungen haben keine Legitimation und müssen als Gefährdung für das Gemeinwesen und das gesellschaftliche Miteinander betrachtet werden. Er versprach, dass dem nachgesagten Demokratieunwillen der der Polizei vorgeworfen wird, bekämpft wird.

Dr. Matthias Quent erläuterte aus wissenschaftlicher Sicht, die Lage von politisch Engagierten und Mandatsträger*innen. Aus seiner Sicht, „sind die Mandatsträger*innen statistisch gesehen, verhältnismäßig sicher. Bündnisse, Einzelpersonen und Initiativen die sich politisch Engagieren sind demgegenüber wesentlich stärker von Diskreditierung, Bedrohungen und Gewalt betroffen. Hierbei muss auch die Rolle der Sicherheitsbehörden kritisch reflektiert und aufgearbeitet werden. Besonders relevant ist hierbei, dass sich Mandatsträger und deutungsmächtige Akteure klar positionieren und unterstützend wirken. Das eigentliche Problem, insbesondere auch aus Statistiken, heißt Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit welches nicht von den Rändern her betrachtet werden kann, sondern seinen Ursprung in der „Mitte der Gesellschaft“ hat.

Im Anschluss erfolgte eine aktive Debatte in einer Fishbowl-Diskussion zum Thema: „Wie gehen wir mit aktuellen Bedrohungslagen und Gefährdungen um?!“. In diesem Format konnten sich alle Teilnehmer sich an der Diskussion mit dem Verfassungsschutz, Polizeigewerkschaft, Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft sowie dem Landrat und dem Bundesministerium beteiligen. Hier wurden unter anderem aktuelle Problemlagen, wie die Proteste im Kontext der Corona-Maßnahmen diskutiert, sowie die Schwierigkeiten und Herrausforderungen von „Haltung zeigen“ erläutert.

Nach den Fachvorträgen konnten alle Teilnehmer an verschiedenen Erkundungsräumen teilnehmen. U. a. gaben das Bündnis für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit Bad Salzungen sowie das Bündnis gegen Rechts Werratal Einblicke in die regionale zivilgesellschaftliche Bündnisarbeit. Der Jugendclub in Gerstungen gab Einblicke in die regionale Jugendarbeit, im Werratalmuseum konnte man die von der Partnerschaft für Demokratie „Denk bunt im Wartburgkreis“ geförderte Sonderausstellung „II. Weltkrieg im Werratal – Rückblick einer Region“ betrachten und darüber diskutieren. Im Bürgersaal „Zum Rautenkranz“ wurde der Film „Prävention. Wie die Demokratie gerettet werden soll“ gezeigt und in einer anschließenden Diskussion ausgewertet.

Nach dem gemeinsamen Abendessen gab es den letzten Höhepunkt des Tages. Friedrich Herrmann, ein sehr talentierter Poetry Slammer aus Jena, nahm den gesamten Tag an der Veranstaltung teil und gab in Form eines poetischen Vortrags eine inhaltliche Zusammenfassung der Konferenz (zu finden auf dem Youtube-Kanal „denkbunt WAK“).

Die Lokale Partnerschaft dankt allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Demokratiekonferenz für ihre aktive Gestaltung und Beteiligung. Die Demokratiekonferenz und die Lokale Partnerschaft wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des Thüringer Landesprogramms für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit „Denk bunt“ durch das Thüringer Landesministerium für Jugend, Bildung und Sport gefördert.

Nähere Informationen sind unter www.demokratie-leben.de bzw. www.denkbunt-thueringen.de/ erhältlich. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich für Fragen, Anregungen oder Projektvorhaben gerne an denkbunt(at)wartburgkreis.de wenden.

Programm für die Demokratiekonferenz 2020

Poetic-Recording Demokratiekonferenz 2020

Abschlussdokumentation Demokratiekonferenz 2019


"Die Koordinierungs- und Fachstelle sowie das Federführende Amt laden gemeinsam mindestens einmal im Jahr alle relevanten zivilgesellschaftlichen Akteur*innen, Organisationen vor Ort und Verantwortliche aus Politik und Verwaltung zu einem Arbeitstreffen („Demokratiekonferenz“) ein. Das gewählte Format dient dazu, Stand, Ziele und Ausrichtung der weiteren Arbeit in der „Partnerschaft für Demokratie“ partizipativ zu reflektieren. Die Umsetzung des zu erarbeitenden Konzepts soll durch Beschlüsse der gewählten Kreis- oder Gemeindevertretungen unterstützt werden." (Grundsätze der Förderung Bundesprogramm Demokratie leben!)

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Wir bedanken uns bei unseren Partnern

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